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Kleine Fluchten aus der Radiowelt
Mitte Dezember startet ,Bodysong‘, der erste abendfüllende Streifen des britischen Werbefilmers Simon Pummell. Allerdings nur in ausgesuchten Programmkinos des Königsreichs, denn das Ganze ist ein 85minütiges Experimentalwerk ohne nachvollziehbare Handlung. Dafür aber mit einem extrem spannenden, weil sphärischen Instrumental-Soundtrack, der von keinem geringeren als Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood stammt. Gitarre & Bass traf ihn nach dem jüngsten Radiohead-Gig in der Oberhausener Arena.
Story: Marcel Anders | Fotos: Capitol
Small Escapes from the Radio-World
“Bodysong”, the first fullsize movie by commercial ad director Simon Pummel is launched in the middle of December. However it will only shown in selected movie theatres since it appears to be an 85 minute long experimental piece of work without a recognisable story. Instead it features an extremely gripping, since quite spheric, instrumental sound track coming from no one less than Radiohead guitarist Jonny Greenwood. Gitarre & Bass met him after a recent Radiohead concert at the Oberhausen Arena.
Story: Marcel Anders | Photos: Capitol
Von wegen Sex, Drugs und Rock 'n' Roll: Backstage bei Radiohead ist in etwa so exzessiv wie eine Klosterschule auf Klassenfahrt: fünf verschwitzte, aber glücklich grinsende Mittdreißiger sinnieren bei Mineralwasser, Tee und Sandwiches über die Höhepunkte des soeben absolvierten Konzerts. Eine Art konspirative Set-Analyse, statt einer wilden Party. Aber irgendwie hätte man von dieser kauzig-introvertierten Band ja auch nichts anderes erwartet. Die Herren sind schließlich Künstler und keine Rock-Animals. Was vor allem für Jonny Greenwood gilt. Ein großer Schmaler mit jungenhaftem Gesicht, leichtem Sprachfehler und so unglaublich schüchtern, dass er seinem Gegenüber kaum in die Augen schaut. Ganz abgesehen davon, dass es ihm beinahe peinlich ist, in Gegenwart der übrigen Band-Mitglieder über sein erstes Solo-Album zu reden. Ein Gitarristen-Werk, das nach eigenem Bekunden die Erfüllung eines Kindheitstraums darstellt, aber seiner Meinung nach trotzdem eigentlich nicht zwingend in dieses Magazin gehört. Schließlich, so Jonny grinsend, befinde sich darauf nicht eine einzige Gitarre ... Sex, drugs and Rock’n’Roll? Yeah, right...being backstage with Radiohead is about as excessive as a field trip with a class of convent pupils: five sweaty but happily grinning midthirties reflect over mineral water, tea and sandwiches on the highlights of the recently performed show. Kind of a conspiratory set analysis instead of a wild party. But somehow you didn’t really expect anything else from this eccentric, introverted band. After all, these gentlemen are artists and not rock animals. This is true especially for Jonny Greenwood: a slim, lanky guy with a boyish face, slight speech defect and so incredibly shy that he barely ever looks into the eyes of his vis-à-vis. Let alone the fact that he is almost embarrassed to talk about his first solo album in the presence of the other band members. A guitarist’s achievement that, although in his own words manifests the fulfilment of a childhood dream, in his opinion does not necessarily belong into this magazine. After all, there happens to be not a single guitar in it, as Jonny says grinning...
G&B: Was hat dich eigentlich dazu veranlasst, ein Solo-Album aufzunehmen? Eine Flucht vor dir selbst und deiner Rolle in der Band?
Jonny: Die Platte ist eigentlich mehr ein Soundtrack als ein Solo-Album. Ich vertone einen Film, und der ist ziemlich merkwürdig. Eben ohne Dialoge oder Handlung. Außerdem hat Simon Pummell nichts selbst gedreht. Es ist alles Material, das er irgendwo gefunden hat. Vornehmlich in Bibliotheken. Insofern sind es einfach nur Bilder und Musik, die eine Stunde und 15 Minuten dauern. Die Hälfte davon bringe ich jetzt als Platte raus.
G&B: So, what reasons have caused you to make a solo album? Some kind of escape from yourself and the band?
Jonny: Actually the record is more a soundtrack than a solo album. I’m setting a film to music and that film is pretty weird. Without dialogues or story. Simon Pummell did not shoot any material himself, by the way. It's all stuff that he found somewhere, preferably in libraries. So it’s just one hour and fifteen minutes of pictures and music. Half of that I am putting out as an album now.
G&B: Bist du so ein großer Film-Fan oder wie bist du zu diesem Projekt gekommen?
Jonny: Die Motivation bestand darin, dass es einerseits eine sehr mutige Sache war und andererseits eine völlig freie. Denn was die Musik betrifft, konnte ich ganz ungezwungen arbeiten. Es gab keinerlei Auflagen, nicht einmal, was die Zeit betraf. Er schickte mir etwa 20 Minuten Material und legte mir einen Zettel dabei, auf dem stand: „Daraus baue ich ca. vier oder fünf Minuten Film. Fällt dir dazu etwas ein?" Ich sah mir die Bilder an und versuchte, die Stimmung einzufangen. Ich habe zum Beispiel ein Streichquartett engagiert und mit ihm zusammen Musik komponiert. So etwas hatte ich noch nie probiert. Das war wahnsinnig aufregend -eben die Erfüllung eines Kindheitstraums: Einmal mit einem festen Budget im Studio sein und es alles für klassische Musiker auszugeben, mit denen man irgendwelche Bilder vertont. Einfach unglaublich!
G&B: How did you get involved in this project, are you a big movie fan?
Jonny: The real motivation for me was the fact that this was a very bold thing to do and on the other hand a very liberate, because concerning the music I was able to work completely relaxed. There were no limits, not even concerning the time. He just sent me like 20 minutes of material with a note saying: “I’m going to turn this into about four or five minutes of film. Got any ideas?” I looked at the pictures and tried to catch the mood. For example, I engaged a string quartet and composed together with them. I’ve never tried that before. That was absolutely thrilling-just the fulfilment of a childhood dream. To be in a studio with a solid budged and spend it all on classical musicians with whom you make music to pictures...incredible!
G&B: Wann hast du damit begonnen? Schon vor den Aufnahmen zum letzten Radiohead-Album?
Jonny: Eigentlich schon vor zwei Jahren. Und irgendwie habe ich nie damit gerechnet, dass es mal offiziell erscheinen wird. Ich habe so lange CDs für irgendwelche Freunde gebrannt, dass ich schon dachte, es würde immer dieses Underground-Ding bleiben. Es jetzt als reguläre Veröffentlichung im Laden zu sehen, ist irgendwie komisch.
G&B: When did you start working on the project? Prior to the recordings for the latest Radiohead album?
Jonny: Actually even two years ago. But somehow I never really expected that it would be published. I kept burning cds for friends for so long that I already became convinced that it would remain an underground thing forever. It’s kind of strange to find it in the stores as an official release now.
G&B: Und was ist es, das du nicht im Band-Kontext, sondern nur als Solist tun kannst? War es wirklich eine Art Befreiungsakt?
Jonny: Eigentlich kann ich in der Band alles machen, was ich will. Und auf dieser Platte tue ich ja auch nichts anderes, als das, was ich schon bei Radiohead versucht habe. Es ist nur ein bisschen extremer. Vorher waren die Streicher oft hinter den dichten Arrangements versteckt. Insofern ist es nett, alles mal ein bisschen transparenter zu gestalten. Und die Band hat mich immer gedrängt, es doch zu veröffentlichen. Also gab ich ihnen die komplette Musik - zwei CDs mit über 90 Minuten Spielzeit. Sie sollten sich überlegen, was davon am besten wäre und was auf einer einzelnen CD funktionieren würde. Das Meiste hat dann Thom zusammengestellt, und es hat allen gefallen.
G&B: So what is it that you couldn’t do in the band’s context but only as a soloist? Was this a kind of liberation?
Jonny: Actually I can do anything I want within the band. And on this record I don’t really do anything very different from what I have already tried with Radiohead. It’s just a little more extreme. Previously the strings often were hidden behind the other compact arrangements. Therefore it is nice to array things a little more transparent. Plus the band kept pushing me to finally publish it. So I handed them over the complete music score- two cds with over ninety minutes of music. I wanted them to decide which parts were best and what would work out best on one single cd. Thom put most of it together and everybody liked it.
G&B: Weshalb du auch auf die Hilfe deines Bruders Colin am Bass zurückgreifst?
Jonny: Das liegt daran, dass ich das Timing beim Bass nicht hinkriege. Es ist eines dieser Instrumente, die ich einfach nicht begreife. Nicht, weil es sonderlich schwer zu spielen ist, sondern weil es sehr schwer ist, es wirklich gut zu spielen. Ein versierter Bassist hat eine ganz bestimmte Art im richtigen Tempo zu spielen. Und das finde ich wahnsinnig spannend. Dabei geht es nicht um Geschwindigkeit oder um irgendeine besondere Technik. Es geht darum, sich innerhalb eines Rhythmus oder eines Beats zu bewegen. Und dazu habe ich nicht die nötige Geduld. Von daher bin ich sehr dankbar, dass er mir geholfen hat.
G&B: Is that why you confided in your brother Colin’s help for the bass parts?
Jonny: That’s because I can’t grasp the timing with the bass. It’s one of the instruments that I just can’t get a grip on. Not because it is so hard to play, but because it is so hard to play it really good. A skilled bass player has a certain way of playing the right tempo. I think that’s extremely exciting. It’s not about speed or some special technique but about a certain way of moving inside a rhythm or a beat. I don’t have enough patience for that. So I’m very grateful that he helped me out.
G&B: Wie reagieren Radiohead-Fans auf diesen Alleingang? Ist ihnen das nicht zu verrückt - oder sind sie derartige Sachen längst gewohnt?
Jonny: (lacht) Keine Ahnung, ob die Leute etwas damit anfangen können. Es hängt davon ab, welches Radiohead-Album sie mögen. Und das ist OK.
G&B: How did Radiohead fans react to this solo project? Is that too crazy for them – or are they already used to these kind of things?
Jonny: (laughs) I have no idea if people can relate to it. It depends on which Radiohead album they like. I think that’s OK.
G&B: Wie sehr bist du eigentlich von Krautrockern wie Can oder Neu beeinflusst? Und ist dir bewusst, dass dein Album an die Werke des norwegischen Jazz- und Ambient-Gi-tarristen Terje Rypdal erinnert? Bist du mit ihm vertraut?
Jonny: Nicht wirklich, aber das klingt interessant. Da werde ich auf jeden Fall mal reinhören ... Was Can und Neu betrifft, so passiert es eigentlich bei jeder Session zu der wir uns treffen, dass wir sagen: „Wir sollten endlich ein paar Songs schreiben, die wie Can klingen!" Das ist eine Referenz, die immer wieder auftaucht. Eben öfter als alles andere - wegen ihres Sounds, ihrer Atmosphäre, ihrer Rhythmen und dem Gefühl, etwas vollkommen Unkonventionelles zu machen.
G&B: How much are you influenced by Krautrock bands like Can or Neu? And are you aware of the fact that your album can be associated with the works of Norwegean jazz and ambient guitarist Terje Rypdal? Are you familiar with him?
Jonny: Not really, but that sounds very interesting. I will definitely check on that ... Concerning Can or Neu, every time we meet for a session we keep saying: “Now, we really should write some songs that sound like Can!” It’s a reference that just keeps popping up. More often than anything else - for their sound, their atmosphere, their rhythm and for the feeling of producing something completely unconventional.
G&B: Du meinst ihren liquiden, unberechenbaren Sound?
Jonny: Ihre Platten haben einfach etwas, ohne dass ich das jetzt richtig beschreiben könnte - oder wollte. Weißt du, ich hege gewisse Zweifel an dieser Theorie, dass Musik direkt von Herzen kommen muss und sich dahinter keine großen Gedanken verbergen dürfen. Wenn das stimmt, wäre Musik doch viel ehrlicher, und ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Das klingt eher nach einem Mythos, den irgendwelche Kritiker aufrechterhalten.
G&B: You mean like their liquid, unpredictable sound?
Jonny: There is something to their records but I neither can nor want to describe what it is. You see, I strongly doubt that theory that music has to emerge straight from the heart and that it shouldn’t contain elaborate thinking. If that was true music would be much more honest and I don’t believe that to be the case. It sounds more like a myth that some music critics keep up.
G&B: Du meinst diesen Aspekt des Puristischen, des Reinen?
Jonny: Da wird unglaublich viel Blödsinn erzählt. Die Leute ziehen sich immer an der Tatsache hoch, dass jemand wie Miles Davis die Juilliard Music Academy besucht und dort Musik studiert hat. Deswegen bevorzugen sie einen Jazz-Musiker, der zwar keine Noten lesen, aber trotzdem Solo spielen kann. Als wäre er reiner und unverdorbener und noch musikalischer. Das finde ich unglaublich. Genau wie diese Glorifizierung abstrakter Musik - oder dieses fürchterliche Gegniedel irgendwelcher Supergitarristen. Wenn du mich fragst, ist Musik eine Frage der richtigen Balance. Und ich versuche alle möglichen Sounds, die ich auf anderen Platten höre, für meine eigenen Songs zu benutzen. Egal, ob es nun klassische Platten sind, oder was auch immer. Es ist, als ob man Farben sammelt und sich aller erdenklichen Techniken bedient. Genau wie du ein Distortion-Pedal oder eine Gitarre einsetzt. Es ist einfach gut alles zu wissen.
G&B: Are you referring to this aspect of purity, of genuineness?
Jonny: There is so much rubbish being said about that. People keep making a fuss about the fact that somebody like Miles Davis has attained Juillard Music Academy and took classes in music there. So they prefer a jazz musician who can’t read music but is able to play solos anyway. As if that was more pure and unspoiled and even more musical. I think that’s just incredible. Same with this glorification of abstract music – or this really awful tootle/twaddle [the original text uses “Gegniedel”] from some so-called superguitarists. In my opinion music is always a question of balance. I’m trying to use the variety of sounds that I hear on other records for my own songs, no matter if it’s from a classic record or any other. It’s like collecting colours and using different kinds of techniques in the process. Similar to the way of using a distortion pedal or a guitar. It’s just advantageous to be familiar with everything.
G&B: Wie sieht deine aktuelle Gitarrenanlage aus?
Jonny: Es ist dasselbe wie immer. Und nichts wirklich Exotisches: Ein Distortion-Pedal, ein Tremolo-Pedal und immer mal wieder ein paar weitere, neue billige Effekte. Ansonsten ist da noch ein Laptop, auf dem ich alles fest-halte und anschließend bearbeite und montiere, also arrangiere. Die Gitarren und der Verstärker, die ich heute benutze, sind noch dieselben, die ich mir als Student zugelegt habe. Eben das erste Equipment, das ich je gekauft habe nie nach anderen Gitarren, Verstärkern und Pedals gesucht. Und ich vermeide das auch ganz bewusst. Denn wenn du dich erst einmal da reinsteigerst, verschwendest du deine Zeit mit völlig unwichtigen Dingen.
G&B: What does your guitar situation look like right now?
Jonny: Same as always. Nothing exotic, really: a distortion pedal, a tremolo pedal and once in a while a few new, inexpensive effects. Then there is my laptop which I use to record everything and process and arrange it afterwards. The guitars and amplifier I’m using today are the ones that I got during college. It’s the first equipment that I ever bought. I never looked for any other guitars, amplifiers or pedals. I deliberately refrain from that because once you get yourself involved in this you end up wasting your time with entirely irrelevant things.
G&B: Und wer kauft deine ganzen Effekte? Überlässt du das deinem Techniker?
Jonny: Nein, es passiert ungefähr einmal im jahr, dass ich etwas höre oder von etwas lese, das mich interessiert. Das besorge ich mir dann. Aber ich weiß eben auch, dass man sich dahinter gut verstecken kann. Du fängst an, dich immer mehr darauf zu verlassen, statt richtig gute Musik zu schreiben und dein Spiel nach vorne zu bringen. Klar ist es reizvoll, ein paar Effekte und Atmosphären zu kreieren, aber der Song ist immer noch das Wichtigste.
G&B: Who is buying all your effects? Are you leaving that to your technician?
Jonny: No. About once or twice a year I hear or read about something that interests me. Then I go and get it. But I am also aware of the fact that you can easily hide behind these things. You begin increasingly to rely on this stuff instead of writing really good music and going on with your game. Of course it’s fascinating to create a few atmospheres and effects but the song should always come first.
G&B: Dabei klingt dein Sound wirklich so, als würdest du stundenlang mit Effekten herumlaborieren ...
Jonny: Das tue ich nicht. Höchstens auf der Bühne, wenn ich das Gefühl habe, dass mich die Leute beobachten. Dann ist das sehr verlockend... (lacht)
G&B: But your stuff does sound as if you are labouring at your effects for hours...
Jonny: I’m not. Except on stage when I have the feeling that people are watching me. Then it’s very tempting...(laughs)
G&B: Du spielst eine Fender Telecaster Plus und eine 1975er Fender Starcaster...
Jonny: Ich habe keine Ahnung, wie alt die Starcaster ist.
G&B: You are playing a Fender Telecaster Plus and a 1975 Fender Starcaster...
Jonny: I have no idea how old the Starcaster is.
G&B: Jetzt sag nicht, dass wären immer noch deine ersten und einzigen Gitarren?
Jonny: Nein, meine erste (eine '89er Tele Plus; die Red.) wurde mir vor ungefähr acht Jahren gestohlen. Von daher musste ich losziehen und mir eine neue zulegen. Und das ist das Gute daran, neues Equipment zu kaufen: Es kommt direkt aus dem Regal und ist nicht völlig abgenudelt, weil es schon 40 oder 50 Jahre benutzt wird. Es ist wie bei einem Laptop: Du ziehst einfach los und holst ihn dir. Keine Ahnung, wie gut mein 1990er I-Book in 20 Jahren klingt. Es gibt ja , schon Leute, die sagen, dass die Original Akai-I Sampler viel besser klingen, als die modernen Software-Sampler. Und deswegen haben wir jetzt so etwas wie Retro-Digital-Sampling, was schon ziemlich bizarr ist.
G&B: Don’t tell me that these are still your first and only guitars?
Jonny: No, my first one (a ‘89 Telecaster, annotation by editor) was stolen about eight years ago. So I had to get a new one. That’s the good thing about getting new equipment: it comes straight from the shop and is not worn out after forty or fifty years of practise. Same with a laptop: you just set out and get one. I have no idea how good my 1990 I-Book is going to sound like in twenty years. There are people who insist that the original Akai samplers sound much better than modern software samplers. So that’s why we now have this retro-digital-sampling, which is kind of bizarre.
G&B: Und daran glaubst du nicht? Auch nicht daran, dass Gitarren eine Seele haben und mehr sind, als nur ein Werkzeug?
Jonny: Das behaupten nur Leute, die Gitarren sammeln und sie sogar polieren, auf die Idee käme ich gar nicht - ich finde, zwei Gitarren zu haben, ist vollkommen genug. Wenn dir bei der einen die Saite reißt, benutzt du halt die andere ...
G&B: So you don’t believe in that? Or that guitars are more than just tools, that they have some kind of soul?
Jonny: Only people who collect guitars and even polish them would say something like that. That would never occur to me – I think having two guitars is plenty enough. If you tear a string on one, you simply take the other...
G&B: Das heißt, du spielst Gitarren von der Stange, ohne irgendwelche Modifizierungen?
Jonny: Ganz genau - mit denselben Pickups und denselben Saiten wie alle anderen auch.
G&B: You are saying your guitars are standard, off the peg, without any modifications?
Jonny: That’s right – with exactly the same pickups and strings as everybody else.
G&B: Dabei machen viele Gitarristen gerade das zur Philosophie.
Jonny: Aber dafür machen sie sich auch keinen Kopf über Klaviere oder sonst etwas. Sie haben diese Atmosphäre um sich, mit der ich nie wirklich etwas anfangen konnte. Ich meine, es ist doch nur eine Gitarre. Und das ist nichts anderes, als die Schreibmaschine, mit der man ein Buch tippt. Es lohnt sich nicht, seine gesamte Zeit und Energie darin zu investiere
G&B: A lot of guitarists make especially that their philosophy.
Jonny: But in return these people don’t give any thought to pianos or other things. They have this air around them that I never really could relate to. I mean, it’s just a guitar. That’s not different from a typewriter you use for writing a book. It’s pointless to put all of your time and energy into that.
G&B: Erinnerst du dich noch an deine allererste Gitarre?
Jonny: Ja, als ich 14 oder 15 war, habe ich angefangen, auf Colins klassischer Gitarre rumzuspielen. Zu dem Zeitpunkt spielte ich auch schon Violine und Klavier und ein paar andere Instrumente. Und mit 16 habe ich dann eine elektrische Gitarre bekommen, das war's dann.
G&B: Wer waren deine Helden?
Jonny: Es gab ein paar Gitarren-Bands, die Songs schrieben, von denen ich wünschte, dass sie von mir stammen. Ich erinnere mich zum Beispiel noch daran, wie begeistert ich von bestimmten Songs war, die ein paar wirklich tolle Riffs hatten. Aber ich hätte nie zu träumen gewagt, irgendwann mal selbst so zu spielen. Meine Lieblingsfantasie war, dass ich die Songs der Pixies geschrieben hätte. Die haben mich wahnsinnig beeindruckt!
G&B: Du meinst diese großen, mächtigen Riffs?
Jonny: Ganz genau. Aber gleichzeitig war es mir auch wichtig, einen kompletten Song zu schreiben - drei oder fünf Minuten Musik, von der du nicht weißt, wo zum Teufel sie eigentlich herkommt. Und das fand ich wahnsinnig spannend. Vor allem solche Sachen wie Sonic Youth.
G&B: Wie geht es jetzt bei Radiohead weiter?
Jonny: Wir planen nicht mehr so viel, und ich habe auch keine Ahnung, wie's weitergeht. Darüber reden wir im neuen Jahr, wenn wir ein paar Wochen frei hatten und wieder klar denken können. Wenn die anderen dann noch rrmUechs Monate Pause wollen, werde ich wöfffyvieder eftvas alleine machen. Allerdings Beiß ich noch nicht, was. Und was die Band betrifft: Klar gibt es neue Songs, aber wir sind uns nicht sicher, wie wir sie veröffentlichen sollen. Wir würden gerne öfter mal was Neues machen, statt nur alle zwei Jahre 70 Minuten Musik aufzunehmen. Etwa jedes halbe Jahr eine EP.
G&B: Wie es in den 50ern und 60ern ja durchaus üblich war...
Jonny: Richtig. Nur, dass sie diese Platten auch in gerade mal zwei Tagen eingespielt haben. Das kriegen wir nicht hin - es war eben doch eine andere Zeit.
G&B: Warum habt ihr euch auf der jüngsten Deutschland-Tournee geweigert, die Hits wie ,Karma Police', ,High And Dry' oder ,Creep' zu spielen? Eine Verweigerungshai- i tung gegenüber den Erwartungen des Publikums?
Jonny: Auf keinen Fall! Es hat auch nichts damit zu tun, dass es unsere bekanntesten Songs sind. ,No Surprises' haben wir ja auch zwei Jahre lang nicht mehr gespielt. Damit haben wir gerade erst wieder angefangen. Eben weil es wieder richtig gut klang. Und das ist der entscheidende Punkt: Die Songs müssen frisch wirken. Tun sie das nicht mehr, legen wir sie auf Eis. Und ,Karma Police' und ,Creep' haben wir auch bei ein paar Shows gespielt. Daran kommen wir gar nicht vorbei. Wobei das Hauptaugenmerk natürlich darauf liegt, eine Balance herzustellen, und die Dinge möglichst spannend zu halten. Also alte und neue Songs zu spielen, die wir selbst richtig gut finden. Aber das ist nichts, worüber wir groß debattieren.
G&B: Genau wie über die jeweilige Setlist eines Gigs?
Jonny: Daran beteilige ich mich schon lange nicht mehr. Wenn du versuchst, einen Kompromiss zwischen fünf Leuten hinzubiegen, wird es eine fürchterliche Setlist. Insofern ziehe ich es vor, mich überraschen zu lassen, was wir bei den einzelnen Gigs spielen. Das ist ein nettes Gefühl. Und deswegen überlasse ich es Ed und Thom. Die machen das gerne - und mir ist es eigentlich egal, was ich spiele. Ich mag alle unsere Stücke. ■